Künstlerstatements

international artist project

about the project

Künstlerstatements

international artist project

about the project

KÜNSTLERSTATEMENTS ist ein Vernetzungs- und Ausstellungsprojekt von zwei Künstlerinnen für Künstler*innen mit diversen Statements der Protagonisten über die Kunst in Plakatform.

Durch die Haptik und Funktion eines Plakates lässt es sich in Innenräumen, als auch im öffentlichen Raum ausstellen und sehr gut digital kommunizieren/ dokumentieren. Es funktioniert daher unabhängig von potenziellen Beschränkungen. Die Vernetzung, Unabhängigkeit der Protagonisten, Diversität und starke Statements von Künstler*innen über die heutige Zeit stehen im Vordergrund. Unser YouTube Kanal erweitert das Projekt und zeigt Videostatements verschiedener Künstler*innen.

Gestartet ist das Projekt mit acht Künstler*innen, acht Plakaten und acht Orten und wird von den zwei Initiatorinnen stetig (inhaltlich und räumlich) erweitert.

Das Medium Plakat:

Reproduktionsplakate haben eine lange Tradition und stehen dem Originalplakat in künstlerischer und inhaltlicher Gestaltung um nichts nach. Auch in der Preisfindung gibt es kaum Unterschiede zu verzeichnen. In beiden Kategorien wurden auf Auktionen Höchstpreise erzielt und Plakate haben in der Kunstgeschichte einen festen Platz eingenommen.
Plakate sollen eine breite Öffentlichkeit erreichen. Kostengünstige Reproduktionen lassen dieses Medium im öffentlichen Raum inflationärer erscheinen. Die Bilderflut von Werbeplakaten beeinflusst unser Denken oft nur unterbewusst. Was passiert wenn Plakate individuell und absichtslos gestaltet werden und nicht den Nutzen eines Produktes bewirbt? Welche Botschaft kann sonst noch ein Plakat vermitteln? Diese Fragen und viele weitere beschäftigen uns und verdienen unsere Aufmerksamkeit.

Unser Start in 2020: Acht Künstler*innen haben jeweils ein Plakat gestaltet. Thematisch, inhaltlich und gestalterisch waren sie dabei völlig frei. Die entstandenen Plakate wurden und werden dann an acht verschiedenen 0rten gezeigt. Die Premiere feierte das Projekt in der Galerie Wolfstaedter in Frankfurt/Main im Dezember 2020.

KÜNSTLERSTATEMENTS ist ein Vernetzungs- und Ausstellungsprojekt von zwei Künstlerinnen für Künstler*innen mit diversen Statements der Protagonisten über die Kunst in Plakatform.

Durch die Haptik und Funktion eines Plakates lässt es sich in Innenräumen, als auch im öffentlichen Raum ausstellen und sehr gut digital kommunizieren/ dokumentieren. Es funktioniert daher unabhängig von potenziellen Beschränkungen. Die Vernetzung, Unabhängigkeit der Protagonisten, Diversität und starke Statements von Künstler*innen über die heutige Zeit stehen im Vordergrund. Unser YouTube Kanal erweitert das Projekt und zeigt Videostatements verschiedener Künstler*innen.

Gestartet ist das Projekt mit acht Künstler*innen, acht Plakaten und acht Orten und wird von den zwei Initiatorinnen stetig (inhaltlich und räumlich) erweitert.

Das Medium Plakat:

Reproduktionsplakate haben eine lange Tradition und stehen dem Originalplakat in künstlerischer und inhaltlicher Gestaltung um nichts nach. Auch in der Preisfindung gibt es kaum Unterschiede zu verzeichnen. In beiden Kategorien wurden auf Auktionen Höchstpreise erzielt und Plakate haben in der Kunstgeschichte einen festen Platz eingenommen. Plakate sollen eine breite Öffentlichkeit erreichen. Kostengünstige Reproduktionen lassen dieses Medium im öffentlichen Raum inflationärer erscheinen. Die Bilderflut von Werbeplakaten beeinflusst unser Denken oft nur unterbewusst. Was passiert wenn Plakate individuell und absichtslos gestaltet werden und nicht den Nutzen eines Produktes bewirbt? Welche Botschaft kann sonst noch ein Plakat vermitteln? Diese Fragen und viele weitere beschäftigen uns und verdienen unsere Aufmerksamkeit.

Unser Start in 2020: Acht Künstler*innen haben jeweils ein Plakat gestaltet. Thematisch, inhaltlich und gestalterisch waren sie dabei völlig frei. Die entstandenen Plakate wurden und werden dann an acht verschiedenen 0rten gezeigt. Die Premiere feierte das Projekt in der Galerie Wolfstaedter in Frankfurt/Main im Dezember 2020.

initiation

Johanna van Emden
(aka Petra Johanna Barfs)

Initiatorin / Kuratorin

Johanna van Emden Initiatorin von Künstlerstatements

text by Galerie Wolfstaedter

MOTHERS

Send them out

of London

Wenn ich meinen kleinen Aufsatz über die Geschichte der Plakate mit der Textzeile eines anonymen britischen Plakates, das in den Straßen von London während der Bombennächte aus dem Jahr 1941 hing und die Mütter aufforderte, ihre Kinder aus der Stadt zu bringen, beginne, dann ist damit schon treffend beschrieben, dass vieles in den unterschiedlichsten Zeiten kommen und gehen mag, vieles andere aber bleiben wird und sich wiederholt. Nun muss nicht jeder ein Dichter, Künstler oder Virtuose sein, um diese Erkenntnis in seinem Leben zu gewinnen; allerdings, und dies ist augenscheinlich, dass Dichter, Künstler und Virtuosen eine ganz bestimmte Eigenschaft besitzen stets die passende Ästhetik für das Innere und das Äußere zu finden.

Kaum ein Medium wird so inflationär wahrgenommen wie das Plakat. Der Grund für die einfache und vielseitige Verwendung von Plakaten sind zum einen die günstigen Herstellungskosten und zum anderen die direkte Positionierung und Nähe zum Rezipienten. So blicken wir beim Warten auf die nächste U-Bahn auf die verlockenden Angebote von eisgekühlten Getränken, verbunden mit traumhaft schönen Südseelandschaften. Litfaßsäulen, Plakatwände, sogar Werbeflächen mit rotierenden Plakaten gehören seit dem 19. Jh. wie selbstverständlich zum Stadtbild und reflektieren unsere Wünsche und Träume.

Das Plakat hat die beiden Eigenschaften Wort und Bild zu verbinden und diese unendlich zu reproduzieren. Diese Massenherstellung brachte es mit sich, dass sich die Einstellung zum Wert des Originaldruckes änderte.

Erstabzüge wurden ähnlich wie Bilder, Radierungen, Lithographien oder Siebdrucke behandelt. Um jedoch die Plakatkunst besser zu verstehen, müssen wir ihre ursprüngliche Funktion betrachten und ihre Wirkung untersuchen, die sie für diejenigen hatte, für die sie geschaffen wurde.

In der Sprachforschung wie in der Kunst gab es zu jeder Zeit unterschiedliche Richtungen, Moden und Traditionen. Jede Epoche unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Vorangegangenen. Aber erst im 19. Jh. – mit der Industrialisierung entwickelte sich das Plakat aus den Kinderschuhen. Es entstand eine konsumorientierte Wirtschaft, und die Triebfeder der Plakatkunst wurde Produkte bewerben und zu verkaufen. Ende des Jahrhunderts erlebte das Plakat seine Blütezeit im europäischen Sprachraum mit zwei nebeneinander existierenden Stilrichtungen: das erzählende Plakat, wie es vor allem Toulouse-Lautrec gemacht hatte, und das symbolische Jugendstilplakat, das in England, Österreich und Deutschland vorherrschend war.

Mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufleben des Nationalsozialismus entstanden expressionistische und auch emotionale Inhalte, die manchmal sehr gewalttätige Abbildungen beinhalteten. Es galt vor allem, die Massen mit der damaligen Ideologie zu gewinnen. Die Auftraggeber, die Eliten aus Politik und Großindustrie begannen damit, die Welt neu zu ordnen und ein vollkommen neues Weltbild zu zeichnen.

Aber es gab auch eine völlig neue Entwicklung von Künstlern und Künstlerinnen, die sich dem Nationalsozialismus entgegenstellten; einige Schlüsselfiguren waren u.a. John Heartfield, Georg Grosz und Hannah Höch.

Es sieht vielleicht aus, als ob es leichter sei, die Entwicklung des Plakates in der Nachkriegszeit zu verfolgen. In Wirklichkeit hat das Plakat jedoch eine größere Bedeutung erlangt und wurde komplexer, als je zuvor.

Wurden Plakate oftmals in einzelnen Landstrichen, Städten, Stadtteilen oder Straßenzügen gezeigt, die noch nationale oder kulturelle Unterschiede machten, wurden jetzt Plakate global, von West nach Ost, von Süd nach Nord gezeigt, die keine Unterschiede mehr voneinander aufwiesen. Eine New Yorker Marketingkampagne konnte in Deutschland für die gleichen Produkte werben, die gleichen Interessen und Wünsche wecken wie in den USA. Erst in den letzten 30 Jahren, mit dem Aufkommen digitaler Möglichkeiten, nahm allmählich die Bedeutung der Plakatdrucke ab und spielten für die Entwicklung der Massenkultur nur noch eine geringe Bedeutung.

Abschließend möchte ich bemerken, dass das realistische Plakat immer seltener zu sehen ist, während das neue, metaphorische Werbeplakat immer öfter erscheint. Beim letzteren wird der Text selbst zur Illustration.

Das Plakat hatte zu keiner Zeit den Stellenwert eines Gemäldes erlangen können und sollte daher auch immer im Zusammenhang mit der Werbekampagne betrachtet werden. Wie komplex auch der Aufbau einer Werbebotschaft aussehen mag, der Dialog mit dem Betrachter war immer der wichtigste Teil dieses Mediums.

Künstlerplakate entziehen sich jedoch ganz bewusst der Logik eines Werbeplakates und haben daher den Anspruch, die Gesellschaft durch die Kunst eines individuellen Künstlers zu reflektieren. Die Ästhetik und die Plakatinhalte sind daher gezielt an einen kleinen Teil, einer elitären Gesellschaft gerichtet. Kleine Auflagen, oftmals limitiert und signiert, machen das Plakat zu einer Rarität und finden bei Kunstliebhabern und Liebhaberinnen einer immer größeren wachsenden Beliebtheit.

Das gemeinschaftliche Plakatprojekt der beiden Künstlerinnen Petra Johanna Barfs und Susan Donath ist auf der Welt einmalig. Dabei präsentieren die beiden Künstlerinnen eine großartige Auswahl von Künstlern und Künstlerinnen, die nicht nur Plakate entwerfen, sondern auch ihr Statement zur Kunst und unserer Gesellschaft in Kurzvideos umsetzen. Mit großem Engagement werden von den beteiligten Künstlern und Künstlerinnen internationale Ausstellungen organisiert. Darüber hinaus entstand eine umfangreiche Webseite zum Projekt. Ferner werden die sozialen Netzwerke bespielt.

Galerie Wolfstaedter / 2021
Galerie Wolfstaedter

text by Juliane Uhl

Verortungen –

„Noch bei der höchstvollendeten Reproduktion fällt eines aus: das Hier und Jetzt des Kunstwerks – sein einmaliges Dasein an dem Orte, an dem es sich befindet.“

Walter Benjamin schrieb 1935 seinen Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit ohne absehen zu können, welche Möglichkeiten das Digitale für die Kunst bereithält. Die Materialoptionen des Kunstschaffenden haben sich über das analoge Material hinaus erweitert. Die digitale Kunst ist entstanden und wird durch Trends wie den Originalitätsschutz NFT gefeiert. Doch nicht nur die Kunst, auch die Künstlerperson digitalisiert sich. Der analog schaffende Künstler nutzt die sozialen Medien, um seine Person und seine Arbeiten zu inszenieren. Der Begriff sozial täuscht in diesem Zusammenhang, denn Facebook, Instagram & Co sind vor allem Bühnen der Promotion des außergewöhnlichen Selbst. Das Sammeln von Likes und anderen digitalen Gefühlsbekundungen, wird zur Beweisführung der eigenen Daseinsberechtigung. Der Künstler ist, was er an Traffic erzeugt. Dieser Künstler wird, wenn Internet und Strom der Vergangenheit angehören, nicht gewesen sein. Man wird in 200 Jahren nichts von uns finden, außer den vermoosten Maschinen einer elektrifizierten Zeit.

Durch die Bestätigungslogik der sozialen Medien, die immanente Aufforderung zur Bewertung führt jede Ausstellung des Selbst und des künstlerischen Werks in eine Abhängigkeit direkter Publikumsreaktionen. Die Arbeit wird im Digitalen vor den Augen des Künstlers kritisiert, gelobt und verrissen. Die Meinungen über Werk und Autor sind immer abrufbar und müssen ausgehalten werden. Das Gatekeeping der Galerien und Medien, die ein Kunstwerk auswählen, ausstellen und dann besprechen – womit die Chance, das eigene Werk besprochen zu sehen, sinkt – existiert nicht, wenn der Künstler sich auf den digitalen Marktplatz stellt. Der Vorteil des Digitalen liegt in der fehlenden Vorauswahl, so dass jeder Künstler seinen digitalen Ausstellungsraum entwickeln und Sichtbarkeit erzeugen kann, wenn der Zugang zur analogen Ausstellungsmöglichkeiten wie Galerie und Museum unmöglich ist. Der Künstler wird zum Vereinzelten, der um Aufmerksamkeit kämpft. Das Gemeinsame gerät ins Hintertreffen.

Die Digitalisierung in der Kunst schreitet – auch bedingt durch die Pandemiemaßnahmen von 2020/2021 – voran, so dass immer mehr Künstler ihre Arbeiten im Internet zeigen und Museen und Galerien ihre Angebote um virtuelle Rundgänge erweitern. Die Investition von Zeit und Geld ins Digitale, vermindert die Möglichkeiten im Analogen. Sowohl der Künstler als auch der Rezipient nutzen das Internet, das ein Kunsterleben ohne Aufwand ermöglicht. Der Besuch des Museums ist nicht mehr nötig, wenn man nur das Werk betrachten will. Das Erleben von Kunst im realen Raum wird seltener und „was […] ins Wanken gerät, das ist die Autorität der Sache“ (Walter Benjamin). Kunst jedoch ist weitaus mehr als ein Werk, das rezipiert werden will. Die künstlerische Arbeit ist eine Essenz, zubereitet aus den Überlegungen, Erkenntnissen und Ideen des Künstlers, die ihre Kraft am Besten entfalten kann, wenn sie laut bedacht und besprochen wird. So entsteht die Aura der hochwertigen Kunst vor allem auch durch das Streitgespräch von Menschen über die Arbeit. Dieses Gespräch kann am besten im realen Raum entstehen, nämlich dann, wenn sich ein Dialog zwischen Menschen in ihrer Ganzheit aus gesprochenem Wort und nonverbaler Kommunikation entwickelt. Das passiert dort wo Menschen vor künstlerischen Arbeiten stehen und über diese reden, streiten und nachdenken. Dieses Gespräch unterscheidet sich wesentlich von „Dialogen“ in den sozialen Netzwerken, da diese  aus aufeinandergestapelten Monologen bestehen.

Mit dem Plakatprojekt KÜNSTLERSTATEMENTS erobert die Kunst neue Räume und kann sich im Realen verorten. Unter der Leitung der Künstlerinnen Petra Johanna Barfs und Susan Donath vernetzen sich internationale Künstlerinnen und Künstler, um Ausstellungen ihrer eigenen Arbeiten zu verwirklichen. Barfs und Donath kuratieren die Plakatarbeiten ein kollektives Ausstellungsprojekt, das die Kraft des Präsenten und die Vorteile des Digitalen miteinander verbindet. Durch das gemeinsame Voranbringen des Konzeptes verschaffen sich die Teilnehmenden Sichtbarkeit und hochwertiger Kunst Aufmerksamkeit. Die Plakate, deren sehr unterschiedliche Ansätze und Aussagen im Projekt selbstbewusst nebeneinanderstehen, werden an die Oberfläche der Realität geheftet und ermöglichen Tiefe. In den Ausstellungen bleiben die Plakate stur wo sie sind. Sie können weder nach unten, noch nach oben, nach links oder rechts gewischt werden, wie ein Bild im social web. Sie sind manifest, wenn sie in Räumen gehängt und an Orten plakatiert werden. Mit den begleitenden Videostatements werden die Plakate ins Internet erweitert, so dass eine Mischung aus Analogem und Digitalen entsteht, die auf Menschen trifft, die in beiden Welten leben. Menschen, die sich von Angesicht zu Angesicht über Kunst unterhalten, die miteinander reden und sich verbinden. Die KÜNSTLERSTATEMENTS ziehen Menschen zu Orten an denen Kunst zu sehen ist. Sie verorten und erschaffen gleichzeitig ein wachsendes Netzwerk.

Auch in den Plakaten sind Verortungen zu erkennen oder explizit nicht zu erkennen, weil das das Freie zum Prinzip erhoben wird.  Wenn Petra Johanna Barfs die Pogo-tanzenden Frauen im Winter zu Aldi schickt, weist sie auf die Divergenz von Freiheit und Zwang hin. Die Freiheit zu tanzen und zu sein steht dem Zwang des Erwerbs gegenüber, der Unterordnung und Anpassung fordert. Susan Donaths Aussage über das Muttersein in Zeiten, in denen der Staat nicht funktioniert, bringen grundsätzliche Fragen nach der Bedeutung von Mutterschaft im Kunstberuf mit sich. Phasen der Reflexion und Auseinandersetzung, die unabdingbar für ein tiefes künstlerisches Arbeiten sind, lassen sich schwer mit den Gewohnheiten von Kindern und den Zeitplänen der staatlichen Institutionen vereinbaren. Frauen in der Kunst scheinen zwischen mindestens zwei Polen zu stehen.

Im Gegensatz dazu sieht sich Sophie Lindner als „Spirituelle Astronautin“, die außerhalb des Systems, das sie beobachtet, denkt. Der vergeistigte Gegenpart verteidigt den Himmel gegen die nach dem All greifende Männerhand. Das Verschmelzen zweier Galaxien in einer Zukunft, die wir zu erfassen nicht im Stande sind, beschäftigt Antje Liemann. Das kommende Ereignis verweist auf ein Zusammenspiel von Zeit, Raum und Materie, dessen Melodie wir kaum verstehen können, weil wir am Ende doch nur Lebewesen in einem Menschenzeitraum sind. Das Denken über denkbare Zeiträume hinweg relativiert das Sein während es die Herrlichkeit des Ewigen verdeutlicht. Es macht klar: Wir sind. Aber eben nur ein Teil.

Das Licht der Galaxie ist wie ein Fluchtpunkt, der die Konzentration im Fernen bindet und davon befreit, sich im Jetzt zu positionieren. Auch Paul Sakoilskys Plakat weist auf ein Licht, das sich unter dem Einfluss von Rauschmitteln an der Schwelle zum Tod finden lässt. Alles ist für ihn Politik, alles ist Kunst. Ist der Künstler damit grundsätzlich politisch?

Die politischen Statements sind ebenso zu finden, wie die individuellen und die abstrakten. Claudia Christoffels glitzernder Meermann ruft zum Feminismus auf. Eduardo Molinari fordert einen sanften Angriff gegen den Kapitalismus. Passend dazu referiert Miroslav Hasek mit einer alten Postkarte und dem Titel eines Antikriegsliedes auf die Folgen vergangener Politik. Die plakative Typografie der Arbeit Saeed Foroghis hingegen stellt die Aktion im Namen eines politischen Slogans zur Disposition, wenn dieser einen anderen Slogan relativieren könnte. Es stellt sich die Frage, ob in einer Zeit des Aktivismus eigene Standpunkte noch zulässig sind und wie viel Individualität die Politik zulässt.

Ana Vujics Revolver zielt auf zwei Möglichkeiten: Kampf oder Suizid. Dem Kunstbetrachtenden bleibt nichts außer dem Zusehen, dem Abwarten der Entscheidung. Ganz anders hingegen geht Otto Hainzl mit dem Rezipienten um, der eine genaue Anweisung zur Nutzung des Kunstwerkes erhält. Der Künstler als Lehrmeister auf der Suche nach Sinn. Gleich einem Priester, der die Religion erklärt, verzehrfertig verpackt und dem Suchenden darbietet. Eine Spur seines Daseins will Yuri Volchoiy Gorod hinterlassen, indem er nach Alaska schwimmt und seinen Namen in den Sand schreibt. Er ist auf dem Weg, er folgt einem Ziel, er verwandelt sich, um sich an einem eindeutigen Ort in die Geschichte einzuschreiben. Hans Nevidal nennt den Künstler den letzten Egoisten. Der Mann, der sich und sein Werk betongleich in die Welt hineinbaut, aufrechtstehend, unantastbar. Kunst, die nicht verbrannt werden, die nicht verschwinden kann. Erling T.V. Klingenbergs Idee vom Rockstar-Künstler macht aus dem festen Material die fluide Bekanntheit, die zur Unsterblichkeit führt. Die Rolle des Künstlers erweitert sich in den sozialen Medien zum Performer. Das Flüchtige nimmt dem Tiefen die Zeit.

Joanna Schulte zeigt den Menschen auf der Suche nach Sinn Eine Suche die als Werbung für die eigene Person mit Selfies verbreitet wird. Ein Absurdum, das hoffentlich als solches erkannt wird. Am Ende bleibt nur das Hoffen, das Thema von Karen Packebusch ist. Im Hoffen erscheint der Mensch, der sehnsüchtig auf der Suche nach Fehlstücken zur Erfüllung seiner Träume ist. Im Hoffen ist der Mensch bei sich.

In den KÜNSTLERSTATEMENTS positionieren sich Künstlerinnen und Künstler in realen Räumen und dem analogen öffentlichen Raum. Die Plakate manifestieren die Kunst dort, wo der Mensch tatsächlich ist – offline. Das Gespräch über Kunst wird mit diesem Projekt einem sich begegnenden Publikum ermöglicht und damit wieder zum Dialog. Dort, wo Menschen sich treffen, weil sie sich hinbewegt haben, weil sie sich entschieden haben, in diesem Moment in ihrer Ganzheit vor Ort zu sein, entsteht das, was die Kunst möglich macht: Das freie Denken.

Juliane Uhl / Oktober 2021
juliane-uhl.de

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